Der Bundesrat will eine 10% Höchstzinsgrenze für Kredite: Was können Kreditnehmer erwarten?

 

Die vorgeschlagenen Anpassung der Zinshöchstgrenze von 15% auf neu 10% wird Auswirkungen auf den ganzen Kreditmarkt haben. Nicht aber für alle Kreditnehmer im gleichen Masse. Wir zeigen die möglichen Konsequenzen für die Kreditnehmer auf.

Der Bundesrat hat am Freitag 5. Dezember 2014 seinen Willen zur Anpassung der Zinshöchstgrenze von 15% auf neu 10% für in der Schweiz vergebenen Kredite bekannt gegeben. Das geltenden Gesetzt zum Konsumkredit (KKG) überträgt dem Bundesrat die Befugnis zur Festlegung der in der Schweiz geltenden Höchstzinsgrenze. Es folgt nun eine vom eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement durchgeführte Vernehmlassungsperiode, während welcher die verschiedene Interessensgruppen Input zur Änderung der Verordnung zum Konsumkreditgesetz geben können. Eine finale Entscheidung zur Anpassung der Höchstzinsgrenze könnte demnach bereits im ersten Quartal 2015 fallen.

Obschon wir heute noch keine genauen Kenntnisse haben, wo der Bundesrat die Obergrenze des in der Schweiz erlaubten Zinses setzten wird, können wir bereits heute die Konsequenzen dieses ordnungspolitischen Eingriffs für die Kreditnehmer formulieren.

Das Kredit-Angebot wird sich verändern – aber nicht für alle Kreditnehmer.

Der Vorschlag des Bundesrats betrifft nur Kreditverträge, welche nach der Festsetzung des neuen Höchstzinses abgeschlossen werden. Konsumenten mit einem bereits laufenden Kredit mit höheren Zinsen kommen also nicht automatisch in den Genuss von tieferen Zinsen. Natürlich werden viele Kreditnehmer versuchen Ihren Vertrag neu zu verhandeln, um von tieferen Zinsen profitieren zu können. Wir erwarten demnach ein grosses Volumen von Kreditprüfungen und möglichen Neuverträgen, was zu einer Umverteilung innerhalb der Zinssegmente führen wird. Jedoch nur einem Teil der Kunden wird ein neuer Kredit mit besseren Zinskonditionen angeboten werden.

Die beschränkten Einkommensmöglichkeiten zwingen die Banken zu neuen Kreditvergabestrategien, welche alle Kunden zu spüren bekommen werden, sowohl Kunden mit einem ersten Kreditantrag als auch diejenigen mit Aufstockungen, Anpassungen oder Umschuldungen. Vor allem für die höheren Risikogruppen wir die Änderung grosse Konsequenzen mit sich bringen.

Die tieftste Risikogruppe, welche heute bereits Kreditzinsen unter 10% erhält, wird von der Anpassung kaum berührt werden. Anders wird es der mittleren Risikogruppe, also diejenigen Kunden, welchen heute Zinsen zwischen 10% und 12.5% von den Kreditgebern angeboten wird, ergehen. Es ist anzunehmen, dass die Anbieter in diesem Zinssegment zwei Anpassungen vornehmen werden. Zum einen werden sie sich mit tieferen Margen für die besseren der Kunden in diesem Segment zufrieden geben müssen und werden demzufolge diesen Kunden einen tieferen Zins anbieten. Diese Konsumenten werden profitieren. Die riskanteren Kunden in diesem Segment werden voraussichtlich nicht mehr bedient werden. Denn die Banken werden durch die Preissenkung des Bundesrats diesen Kunden kein für sie profitables Produkt mehr anbieten können. Ähnliches ist im hohen Zinssegment zu erwarten. Kunden, welchen heute 12.5% und mehr angeboten wird, wird voraussichtlich nach der Anpassung keine Angebote mehr gemacht werden. Ihnen wird der Kreditmarkt verschlossen werden.

Die Kredit-Nachfrage bleibt bestehen – alternative Anbieter profitieren, jedoch nicht immer im Sinne des Konsumenten.

Der Bundesrat argumentiert, dass durch die Elimination der Kreditangebote für die höheren Risikogruppen der Überschuldung effektiv entgegengewirkt werden kann und die sozialen Kosten der Überschuldung für die Allgemeinheit somit reduziert werden. Aus unserer Erfahrung mit vielen Kunden in diesem Segment, sehen wir jedoch eine andere Entwicklung. Denn grundsätzlich bleibt die Nachfrage nach Kredit bestehen und wo eine Nachfrage ist, gibt es auch ein Angebot. Wir sind überzeugt, dass den Kunden in den höheren Risikogruppen auch in Zukunft Kredit angeboten wird, nur leider ohne den Schutz des Konsumkreditgesetzes.

Anbieter aus dem Ausland, welche heute schon im Markt „fischen“, werden ihre Aktivitäten weiter verstärken. Diese Kredit-Anbebote befinden sich klar in der gesetzlichen Grauzone. So wird zum Beispiel oft eine Vorauszahlung vom Kreditnehmer verlangt, welche in der Schweiz nicht legal ist. Basierend auf den uns vorliegenden Kundenerfahrungen, können diese Vorauszahlung schnell einmal mehrere Tausend Franken betragen. Nach geleisteter Zahlung ist vom versprochenen Kredit dann keine Rede mehr. Das Geld ist verloren. Wir hören diese Kundenerlebnisse immer wieder und müssen annehmen, dass das „Jagen“ auf die schwächsten Mitglieder unsere Gesellschaft ein lukratives Geschäft sein muss. Denn sonst würden dies die Anbieter nicht in dem beobachteten Masse und mit der zu Tage tretenden Ausdauer betätigen. Die Anpassung der Höchstzinses wird unseres Erwartens mit aller Wahrscheindlichkeit eine negative Erscheinung unsere Zeit noch weiter beflügeln. Es ist zu hoffen, dass der Gesetzgeber diesen bereits existierenden Misständen entgegenwirkt. 

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