Der Bundesrat reduziert den Maximalzins für Konsumkredite in der Schweiz auf 10%. Was heisst das für die Kreditnehmer? Ist das der Anpfiff für FinTech Innovationen in diesem Bereich?

 

Auch wenn die Begrenzung des maximal erlaubten Zinses für Konsumkredite von heute 15% auf neu 10% per 1. Juli 2016 den Kreditnehmern entgegen kommen wird, wirft diese Anpassung der Exekutive wichtige Fragen auf und schürt Hoffnungen für mehr Wettbewerb durch FinTech Anbieter.

Der Bundesrat entschied den maximal erlaubten Zins für Konsumkredite in der Schweiz per 1. Juli 2016 von derzeit 15% auf 10% plus Libor zu reduzierten. Zur Botschaft des Bundesrats. Neue Konsumkredite müsse ab diesem Stichdatum unter 10% angeboten werden. Bestehende Kredite werden gemäss vertraglich vereinbarten Zins weiterlaufen. Für Kreditkarten hat der Bundesrat die Höchstgrenze bei 12% angesetzt. Der Bundesrat wird die Höchstzinsgrenze jährlich überprüfen und falls notwendig, dem veränderten Umfeld anpassen.

Laut Argumentation des Bundesrates sollen die Konsumenten auch von der Niederzinsepoche profitieren können. Tatsächlich sind die Kreditzinsen in der Schweiz im Vergleich zum grenz-nahen Ausland sehr hoch, und habe sich auch mit den historisch tiefen Refinanzierungskosten nicht gross nach unten bewegt.

Die Zins-Anpassung wird sich nicht für alle Segmente der Konsumkreditkunden gleich auswirken. Wir erwarten keine Änderung für die besten Segmente (A und B Segmente). Diese werden heute schon mit Zinsen zwischen 5.9% und 9.9% bedient. Für die C Segmente, Kunden mit mittlerem Risikoprofil, welche heute zwischen 10% und 12.5% Zins zahlen, wird sich die Änderung voraussichtlich positiv gestalten. Die Anbieter werden Effizienzen finden müssen, oder auf Marge verzichten müssen, um diese Kunden mit einem tieferen Zins weiterhin bedienen zu können. C Kunden bilden der Hauptmarkt der grossen zwei Anbieter, der Cembra und der BANK-now. Diese Anbieter werden Wege finden um Ihren Kunden einen Zins zwischen 9% und 10% anbieten zu können. Negativ wird sich unseres Erachtens die Anpassung auf D Kunden auswirken. Mit 10% Zins können die Banken diese Kunden nicht mehr im selben Rahmen wie bisher bedienen. Angesichts der hohen Ausfallrate in diesem Segment, welche die Zinsmarge gefährdet, werden die in diesem Bereich tätigen Anbieter die Kreditvergabe-Kriterien für das D Segment stark anpassen und diese Kunden werden es demzufolge sehr schwierig haben nach dem 1. Juli 2015 einen Kredit in der Schweiz zu erhalten. Hier sind vor allem neu-zugewanderte Arbeitskräfte mit Bewilligung betroffen.

Diese Veränderungen sind Ansporn für innovative Lösungen im Markt. Das Risikomanagement wird noch wichtiger werden. FinTech Innovationen haben möglicherweise Platz um neun Anbietern mit einem technologischen Vorsprung im Markt Erfolg bringen zu können. Eine Konsolidierung der grossen zwei Banken, mit dem Ziel Effizienzen zu schaffen, würde sicherlich unüberwindbare wettbewerbsrechtliche Fragen aufwerfen und ist darum nicht zu erwarten. Vermittler von Konsumkrediten werden unter dem zu erwartenden Margendruck aus dem Markt gedrückt werden. Ausländische, nicht-regulierte Anbieter werden weiterhin wachsen und den Markt bearbeiten. Die Reduktion der Risikobereitschaft der regulierten Anbieter, herbei gebracht durch die Herabsetzung des Maximalzinses, wird den Markt für diese „Grauzonen-Anbieter“ noch vergrössern und das neue Potential wird sicherlich mit verstärktem Online Marketing dieser Anbieter bearbeitet werden. Die Margen dieses Geschäfts werden ins Ausland abwandern, die sozialen Kosten jedoch weiterhin in der Schweiz bleiben.

Obschon wir natürlich die tieferen Zinsen für den Grossteil der Konsumkreditkunden in der Schweiz begrüssen, betrachten wir den Weg zu diesem Ziel als Eingeständnis für eine verfehlte Wirtschaftspolitik im Schweizer Kreditmarkt. Zu Lange haben die wenigen, grossen Anbieter den Markt beherrschen können. Regulatorische und abwicklungstechnische Hürden (z. B. wirken sich ZEK Ablehnungen negativ auf die nächste Kreditprüfung aus, was den Konsumenten daran hindert, die besten Konditionen zu erhalten) wurden nicht aus dem Weg geräumt um neuen Anbietern den Einstieg in den Markt attraktiv zu gestalten. Regulatorien für alternative Anbieter, zum Beispiel Peer-to-Peer (Crowdlending) Anbieter sind immer noch äusserst ungenau und unzuverlässig um neue Anbieter auf den Markt zu locken. Ihnen fehlt noch die Planungssicherheit. Anstelle eines weiteren Steuerungseingriffes wären unseres Erachtens wettbewerbsfördernde Massnahmen angebracht gewesen. Mit mehr Wettbewerb hätten Kunden auch von besseren Konditionen profitieren können. Die Gefahr der Abwanderung der höheren Risikogruppe in die Fänge der „Grauzonen-Anbieter“ hätte mit grösserem Wettbewerb im Markt auch minimiert werden können.

Es bleibt die Hoffnung auf innovative Anbieter um den Wettbewerb im Konsumkreditmarkt ankurbeln zu können. Erste Anzeichen deuten darauf, dass sich trotz Planungsunsicherheit alternative Kreditmodelle im Bereiche Peer-to-Peer (Crowdlending) zum Vorteil der Kreditnehmer auf den Markteintritt vorbereiten. Mit eingebautem Effizienzvorteilen kümmern sich diese weniger um das Zinsumfeld als die alten Marktteilnehmer. Durch die Nähe zum Kunden und einem konsistent kundenfokussierten Modell stehen deren Chancen auf Erfolg sehr gut. Dies würde dem Markt gut tun. Der Wettbewerb würde steigen und dadurch würden die Angebote für die Konsumenten attraktiver werden.

Wir warten gespannt auf die Entwicklungen im 2016.

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